Landbriefträger verweigert Dienst im Bernecktal

Sehr großes Interesse und viele Zuhörer beim Vortrag des Tennenbronner Heimathauses

Wie in einem Bericht von 1904 der Poststelle St.Georgen an die Oberpostdirektion in Konstanz ist zu lesen war, hat der sonst "sehr willige, zuverlässige Landbriefträger" Jäckle erklärt, "den Bestellgang nach der Eisfabrik im Bernecktal, wegen des außerordentlich gebirgigen und felsigen Geländes nicht mehr ordnungsgemäß ausführen zu können". Über einhundert Jahre später sorgte diese Information, im Rahmen eines Vortrags über das Leben in Tennenbronn um die vorletzte Jahrhunderwende, angesichts der aktuellen Sperrung für ersichtliches Schmunzeln bei den Zuhörern. Überhaupt gelang es dem Tennenbronner Heimathausmitglied Dieter Moosmann meisterlich, die Geschichte um 1900 äußerst lebendig darzustellen. Während seines gesamten Vortrags war förmlich zu spüren, wie akribisch sich der Referent auf seinen Vortrag vorbereitet hatte. Über ein Jahr wendete er auf, um in Kirchenbüchern, alten Aufzeichnungen, Archiven und Visitationsberichten diesen Zeitabschnitt genauestens und solide aufzuspüren und passendes Bildmaterial zu sichten. Neben detaillierten Zahlen zur Landwirtschaft und zu den Handwerkern im Dorf um 1900, aber auch gewürzt mit vielen interessanten Anekdoten, von Ordnungsverstößen in Gendarmenberichten, über interessanten Preisbeispiele, bis zur Klage über den sittlichen Verfall der Jugend durch den Besuch der Kneipen in Schramberg, gelang es Dieter Moosmann meisterlich seine Zuhörer in Bann zu ziehen.

Nicht weniger interessant gestaltete sich die Präsentation eines großen Dorfmodelles, welches die beiden eigenständigen Gemeinden Katholisch Tennenbronn und Evangelisch Tennenbronn zeigt. Karl-Heinz Moosmann, welcher das Modell in einer Kooperation des Heimathauses mit Schülern der Tennenbronner Grundschule gebaut hatte verstand es ebenfalls glänzend, die Straßenführung und Grundstückszuschnitte vor dem Dorfbrand mit den jetzigen Verhältnissen zu vergleichen. Sehr interessant stellte er die Vielzahl der Brunnen, aber auch die Wasserrechte mit den zugehörigen Mühlen und die vielen Hausgärten, welche zur Selbstversorgung unabdingbar waren in Lageplänen und treffenden Fotos dar.

Nach dem Dank an die Referenten durch den 1. Vorsitzenden Robert Hermann war das Dorfmodell von den die vielen Zuhörern, welche wegen des Vortrags selbst aus Frankfurt oder vom Bodensee angereist waren, noch lange intensiv umlagert. Bei Speisen um 1900, wie Bibiliskäs, Speck- und Honigbrot sowie einem guten Most fand der beeindruckende Abend mit einem großen Lob der Besucher an die Heimathausgruppe und kurzweiligen Diskussionen über manche alte Begebenheit einen gelungenen Abschluss.

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