Der Langenbacherhof

In den Tennenbronner Grundbüchern des 19. Jahrhunderts findet man bei vielen Einträgen über Grundstücksveränderungen die Anmerkung, das infrage stehende Grundstück sei „auf dem  Langenbacherhof“ gelegen. 

Wo in Tennenbronn steht der Langenbacherhof? In der Liste der heutigen Tennenbronner Bauernhöfe sucht man vergebens nach ihm. Es gibt ihn nicht mehr. Der letzte Inhaber dieses Hofes hat sein Anwesen im Januar 1835 verkauft, wonach dieses in viele Teile zerstückelt worden ist. Auf der alten Gemarkungskarte von Ev. und  Kath. Tennenbronn (siehe Karte im Heimathaus) sind die  Grenzen dieses Hofs noch eingezeichnet. Es handelt sich um das Terrain, das auf der Karte mit der Plannummer ET 8 beziffert ist. Die Hofgrenzen umfassen  das  Gebiet unterm Dorf links und rechts der Schiltach bis hinunter an den Leonberg. Auf der einen Seite gehören der Dorfberg und das untere Affentäle dazu, auf der anderen Seite erstreckt sich das Gelände bis auf die Höhe des Mittelbergs.

Der Langenbacherhof gehörte zu den Tennenbronner Urhöfen. Als Lehenshof des Klosters St. Georgen ist er sowohl im Hornberger Lagerbuch (1591), wie auch im Schramberger Urbar (1547) bezeugt. Spätestens seit Ende des 30-jährigen Krieges (1648) sind auf diesem Hofgut die Langenbachers zuhause, als erster ein Martin Langenbacher, ab 1700 ein Michel Langenbacher, dessen Nachkommen den Hof bis zu seiner Auflösung bewirtschafteten.   Vermutlich stammen auch die Langenbachers, die mehrere Generationen lang auf dem benachbarten Gasthof Löwen, dem „Freihof“ als Stabswirte agierten, aus dieser Familie. Als Angehörige des Klosteramts St. Georgen hatten die Bewohner dieser beiden Höfe im Dorf eine Sonderstellung. Sie unterstanden weder dem württembergischen Amt Hornberg, noch dem österreichischen Amt Schramberg, nahmen deshalb auch nicht an den gemeinsamen Jahrgerichten dieser Ämter teil.

Als  Tennenbronn 1810 zu Baden kam und die ehemaligen Tennenbronner Stäbe in badische Gemeinden umgewandelt wurden, ergab sich die kuriose Situation, dass der Langenbacherhof, obwohl mitten im Ort  gelegen, nicht zu Tennenbronn  gehörte, sondern zu Langenschiltach. Dies änderte sich erst mit dem Bürgeraustausch 1836, wobei unter anderem  die „Schiltacher  Höfe“ im Dorf, im Eichbach, an der Linde und auf dem Mittelberg gegen die bis dahin zu Evangelisch Tennenbronn gehörenden Höfe in der Krummenschiltach  getauscht wurden.

Es ist nicht bekannt, was Jacob Langenbacher, den damaligen Eigentümer des Langenbacherhofs bewogen hat, kurz vor diesem Höfetausch sein Hofgut zu verkaufen. Möglicherweise hatte er gesundheitliche Probleme, denn er ist wenige Jahre später im Alter von 41Jahren gestorben. Er verkaufte den Hof im Januar 1835 an zwei Bürger aus Weiler, die sich als Grundstücksmakler betätigten und das Gelände in Stücke zerteilt im Rahmen einer großen Versteigerungsaktion veräußerten. Da die Parzellen in Dorfnähe bei den Bürgern aus den beiden Tennenbronner Gemeinden sehr begehrt waren, fanden alle Teile des ehemaligen Hofs schnell einen Käufer.

 Das  Hofgebäude, das am Ausgang des Affentäles stand, und ein großer Teil des Geländes  drum herum gingen an Johann Georg Grieshaber, Schuster im Dorf. Weil dieser das alte Haus nicht abreißen durfte, verkaufte er es wieder, und zwar an zwei Interessenten aus Katholisch Tennenbronn, den Seiler Johann Georg Günter und den Nagelschmied Johann Stollbert, die in der Folge dort Wohnung nahmen, der eine im vorderen, der andere im hinteren Teil des  Hofes. Auch die ursprünglich zum Langenbacherhof gehörige Mühle (Koppenmühle) wechselte einige Male den Besitzer, bis sie schließlich 1927 an den Landwirt Wilhelm Ginter  kam.

Alfred Kunz

Bild:Blick in den Remsbach um das Jahr  1900 
Rechts unten der Standort des Langenbacherhofs (s´Simone Schreiner, heute Moosmann)

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