Wie aus dem "Marte-Becke-Haus" das Heimathaus wurde

- Zur Geschichte des Gebäudes Hauptstraße 26  -

„Vorher Kindergarten,  künftig  Heimathaus“ - soweit haben die meisten  Einwohner Tennenbronns  die Nutzungsänderung  des Gebäudes Hauptstraße  26 zur Kenntnis genommen. Nur wenigen dürfte allerdings zur Gänze bekannt sein, auf welch wechselhaftes Schicksal dieses Haus zurück blicken kann, seit es vor gut 140 Jahren gebaut worden ist.

Bis Ende des 18. Jahrhunderts  gehörten die Wiesen und Felder westlich des alten Tennenbronner Dorfkerns zum Grundbesitz des Berghofbauern, dessen Gelände die ganze Hangseite herunter bis zum Bach reichte. Nach dem Bau der katholischen Kirche im Jahre 1847, wofür Bergbauer Joseph Reuter den Bauplatz zur Verfügung gestellt hatte, entstand ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entlang der Landstraße und um die neue Kirche herum das Tennenbronner „Oberdorf“. Einer der  ersten Häuslebauer in dieser Gegend war Daniel Hilser (ein Sohn des Moosbauern Christian Hilser), der sich 1877 neben der Engelwirtschaft gegenüber der Kirche einen Bauplatz sicherte. 1015.20 Mark musste er damals an die Gemeinde Katholisch Tennenbronn für das Grundstück bezahlen. Daniel Hilser, der von Beruf  Wagner war, baute auf dem Grundstück  ein „Wohnhaus, mit Stallung und gewölbtem Keller“. Es trug die Hausnummer „Oberdorf 14“.

Im April 1883 verkaufte er dieses Haus an den vom Ramstein stammenden Martin Auber der  bis dahin als Taglöhner in Ev. Tennenbronn gearbeitet hatte. Aus der Wagnerei wurde eine Bäckerei. Vielen älteren Tennenbronnern ist die Bezeichnung beim „Marte-Beck“ heute noch geläufig. Als Eigentümer des Hauses ist im Grundbuch allerdings nicht Martin Auber, sondern dessen Sohn Albert, Bäcker von Beruf, eingetragen. Albert Auber und dessen Frau Theresia, geb. Günter, hatten vier  Kinder. Diese waren noch minderjährig, als im Jahre 1915 der Vater Albert und ein Jahr später die Mutter Theresia Auber starben. Im Zuge der Erbteilung wurde die ledige Tochter Berta Auber Eigentümerin des Hauses. Da sie die Bäckerei nicht weiterführen konnte, betrieb sie fortan eine Mehl-Handlung.

1919 heiratete Berta Auber den Schneidermeister Eugen Günter, der im ehemaligen Bäckerladen eine Schneiderwerkstatt  einrichtete. Auch Eugen Günter starb früh, im Februar 1926, keine 40 Jahre alt. Seine Witwe Berta und Sohn Josef, sowie Bertas Schwester Maria bewohnten das Haus weiterhin. Alte Tennenbronner Bürger erinnern sich daran, dass über lange Zeit, wenn man im Dorf unterwegs war, man beim Haus „Martebeck“ zwar kein Brot kaufen, aber ein Schwätzchen halten konnte, weil dort fast immer zwei ältere Frauen, die Auber-Töchter Berta und Maria,  im Fenster lagen  und das Geschehen auf der Straße beobachteten. Eugen Günters Sohn, Josef, der nicht das Handwerk seines Vaters erlernt, sondern sich für die Fabrikarbeit entschieden hatte, musste trotz seiner Jugend in den Krieg ziehen, aus dem er nicht mehr zurückkehrte.

In den fünfziger  Jahren wurde die ehemalige Schneiderwerkstätte im Haus Hauptstraße 26 von einem Schuhmacher namens Ludwigs als Schuster-Laden genutzt. Ludwigs war nach dem Krieg als Flüchtling nach Tennenbronn gekommen.

Im Jahre 1957 kaufte der Industriearbeiter Simon Kunz vom Ramstein das Gebäude. Nachdem er es umgebaut hatte - aus dem einstöckigen Haus wurde ein zweistöckiges - zog er mit seiner Frau Kreszentia, geb. Rapp, und seinen zwei Töchtern Monika und Rosmarie dort ein. „Wir verlebten in diesem Haus eine schöne Kindheit“, erinnert sich Monika, geb, Kunz, die 1987 das elterliche Haus übernahm. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernd Leusmann, den  sie 1978 geheiratet hatte, richteten sie im unteren Stock eine Massage-Praxis ein, die allerdings nur kurze Zeit in Betrieb war, weil die offizielle Genehmigung für die Praxis-Räume wegen der niedrigen Deckenhöhe des Hauses nicht zu bekommen war.

1990 verkauft das Ehepaar Leusmann das Haus an die Gemeinde Tennenbronn, die es ab  dem Frühjahr 1997  nach entsprechender Umgestaltung  als Kindergarten nutzte. Viele Tennenbronner Kinder und deren Mütter, die während dieser Zeit dort aus und eingegangen sind, werden das Gebäude als Kindergarten „St. Franziskus“ in Erinnerung behalten.

Mit seinen 140 Jahren reicht die Geschichte des  Hauses Hauptstraße 26 zwar nicht  außerordentlich weit in die Vergangenheit zurück, doch muss man mit Blick  auf die Schicksale, die sich während dieser Zeit in seinen Mauern abgespielt haben, konstatieren,  dass es sich um eine äußerst bewegte, reiche Vergangenheit handelt.    Nachdem das Haus als Wagnerei, Bäckerladen, Schneiderwerkstatt, Schusterei, Massage-Praxis  und Kindergarten gedient hat, steht ihm nun die Nutzung als Tennenbronner Heimathaus bevor. Möge ihm in dieser Funktion eine gute Zukunft  beschert  sein.

Alfred Kunz

Bild: „Beim Marte-Beck“ (Alois Moosmann)

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