Der Winter so warm, dass die Bäume blühen

Teil 1: 1680 - 1713

Die herrlichen Wintertage im Januar 2021 mit der folgenden völligen Schneeschmelze und Überschwemmungen Anfang Februar, dann wieder bittere Kälte und nun wenige Tage später frühlingshafte Temperasturen haben Alfred Kunz zu diesem „Geschichtsspuren“-Beitrag angeregt. Für uns heutige Zeitgenossen, die das Thema Klimaerwärmung so sehr umtreibt, ist es interessant zu erfahren, was Zeitzeugen vor 350 Jahren zum Thema Wetter und Umweltkatastrophen zu berichten wissen. Auszüge aus der Schramberger Pfarrchronik zeigen die Wetterphänomene von damals auf.

In den Jahren zwischen 1675 und 1734 haben die Schramberger Pfarrer Hieronymus Sichler, Johann Hüener, Ignatz Olwang in einer Art Pfarrchronik festgehalten, was ihnen während ihrer Amtszeit in der Welt wichtig erschienen ist. Dabei galt ein Großteil der pfarrlichen Aufmerksamkeit dem politischen Geschehen in Europa. In ihren Aufzeichnungen fin-den sich aber auch Hinweise auf das Wetter in der Region.


1680

Es herrscht ein Winter mit großer Trockenheit und schrecklicher Kälte.

1682

Im Januar und Februar gibt es in diesem Jahr Flutkatastrophen mit Überschwemmungen.

1683

Ein milder Winter! Bis St. Sebastian (20. Jan.) kein Schnee. Dann aber fällt so viel, dass kaum die Spitzen der Zäune herausragen. Im Juni sorgen heftige Regengüsse für Überschwemmungen. Hagelunwetter im Sommer richten große Schäden an.

1684

Ein Winter, der seit Menschengedenken noch nie mit solch ausgeprägter und langer Kälte gehaust hat. Durch die Kälte werden viele Wanderer getötet.

1686

Es fällt in diesem Winter reichlich Schnee. Noch am Sonntag nach Pfingstenherrscht große Kälte.

1687

Ein äußerst grauenhafter und langer Winter verur-sacht in diesem Jahr Mangel an Heu.

1688

Um die Mitte des Sommers gibt es verheerende Überschwemmungen.

1690

Im Juli werden in Aichhalden Bauern beim Heu aufladen von einem Gewitter überrascht. Von den sechs Personen sterben drei durch Blitzschlag.

1698

Am 2. Juni gibt es ein gewaltiges Unwetter: Durch seine Gewalt werden Bäume entwurzelt und Häuser zerstört.

1702

Im Juli fallen heftige Regengüsse und verursachen in Schramberg und Umgebung Überschwemmungen, wie sie solche seit Menschengedenken noch nie gegeben hat.

1706

Es gibt einen Sommer mit großer Dürre. Fast drei Monate lang fällt kein Regen. Gegen Ende des Jahres ist es so warm, dass an manchen Stellen im Dezember die Bäume wie im Frühling blühen.

1708

Im Frühjahr vernichten strenger Frost, im Sommer anhaltender Dauerregen die Früchte.

1709

Der Winter ist so kalt wie er seit Menschengedenken nicht gewesen ist. Die bissige Kälte dauert im Januar und auch noch den ganzen Februar. In dieser Zeit erfrieren mehrere Menschen. Im Juni richten Überschwemmungen im Göttelbach und im Kirnbach Unheil an.

1710

In diesem Jahr gibt es eine reichliche Ernte.

1711

Ab dem 23. Februar herrscht Tauwetter. Im Tal gibt es Überschwemmungen. Der zweite Teil des Sommers und der Herbst verdirbt durch Dauerregen einen großen Teil der Ernte.

1713

An Hl. Sebastian (= 20. Januar) gibt es Überschwemmungen. Das Wasser fließt über die gefrorene Erde ab. Im Sommer und Herbst gibt es eine reichliche Ernte

Bei der Auswertung der Chronik ist Alfred Kunz neben den Wetterkapriolen auch auf weitere interessante Einträge gestoßen. So ist bei der aktuellen „Wolf“-Diskussion beispielsweise auch ein Eintrag von 1676 interessant wo berichtet wird, dass in der Gegend um Schramberg Wölfe drei Kinder geraubt und aufgefressen haben.

-  Alfred Kunz - Heimathaus Tennenbronn -

 

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