Das Missale Romanum der Ramstein Kapelle
Ein Missale Romanum ist ein lateinisches Messbuch, wie es bis zur Liturgiereform nach dem zweiten vatikanischen Konzil (1960er Jahre) im katholischen Gottesdienst verwendet worden ist. Dieses Buch wurde 1721 gedruckt und stammt aus der Tennenbronner Ramstein Kapelle. Der gegenwärtige Eigentümer der Kapelle Werner Hilser hat es in einem Versteck hinterm Altar gefunden.
Das Buch gibt Zeugnis dafür, dass in dieser Kapelle in einer Zeit, in der es in Tennenbronn keine katholische Kirche gab, Gottesdienste abgehalten worden sind. Dies ist in gewisser Hinsicht verbotenerweise geschehen, weil die Kapelle nicht geweiht war und die Tennenbronner Katholiken in dieser Zeit kirchlich nach Lauterbach bzw. Mariazell eingemeindet waren.
Der Zustand des Buches zeigt, dass es nicht unberührt und neu ist, sondern dass es häufig in Gebrauch gewesen sein muss. Das bringt für die Geschichte der Ramstein-Kapelle, darüber hinaus generell für die Geschichte der Tennenbronner Katholiken eine neue Erkenntnis. Es wurden in der Ramstein-Kapelle Messen gelesen. Die geschah entgegen der offiziellen Meinung bzw. Vereinbarung, dass in den Kapellen in Tennenbronn keine Sonntagsgottesdienste abgehalten werden durften, weil diese keine bischöfliche Weihe hatten und weil die Gläubigen in dieser Zeit in kirchlichen Angelegenheiten nach Lauterbach oder nach Mariazell zu gehen hatten. Das Buch ist somit der Hinweis, dass die Kapelle auf dem Ramstein für die Tennenbronner Katholiken so etwas wie eine Ersatzpfarrkirche gewesen sein könnte.
Das eigentlich Interessante in diesem Buch sind nicht die gedruckten Originaltexte, sondern ein handgeschriebener Text auf der ersten Seite des Buches. Es handelt sich dabei um die Abschrift der Gründungsurkunde, die anlässlich der Einweihung der Kapelle 1754 geschrieben worden ist.
Im Jahre anno 1754 ist diese Kapelle – mit gnädiger Erlaubnis und Bewilligung unseres regierenden Grafen, Herrn Joseph Ferdinand, des Hl. Römischen Reiches Grafen von Bissingen und Nippenburg und auch des in Gott geistlichen Herrn Ferdinand Mosser, Pfarrherrn zu Maria-Zell durch mein, Mathias Bronnenkandt und meiner Ehegattin Elisabeth Pfäffin unterthäniges Anhalten erlaubt worden.
Sie soll künftig und immerfort, solang der Hof dauert, von allen nachfolgenden Bauern, die diesen Hof besitzen, in guten und löblichen Zustand unterhalten und gewissenhaft die gewöhnlichen Andachten nach altem katholischen Brauch fleissig und eifrig abgehalten werden, in welche wir unser Gebet einschließen zu Gott und seiner seligsten Mutter.
Ramstein, den 24. Christmonat 1754
Mathias Bronnenkandt und Elisabeth Pfäffin, Bauern auf dem Ramstein
Unter diesem Text gibt es einen späteren Nachtrag:
Dieses Messbuch gehört mit zum Bestand dieser Kapelle, wo neben den üblichen Andachten als auch die Hl. Messe gelesen wurde.
Was ist ein Missale Romanum?
Das Missale Romanum ist ein Buch, wie es seit Pius V. nach dem Konzil von Trient für die Feier der Messe vorgesehen war. Vergleichbare Bücher waren bis zum 2. Vatikanischen Konzil (also etwa 1965) überall in der katholische Kirche in Gebrauch.
Das Messbuch ist in lateinischer Sprache geschrieben. Es enthält die Messordnung, die Gebete sowie die Orationen und Gesänge für das gesamte liturgische Jahr.
Darüber hinaus ist auch beschrieben, welche Rituale der Pfarrer befolgen musste: Wann er eine Kniebeuge zu machen, von rechts nach links zu gehen oder den Kelch zu reinigen. Solche Anordnungen waren rot gedruckt. Von diesen roten Texten kommt das Wort „Rubrik“.
Die Texte und Anordnungen für die großen Festtage waren mit schönen Bildern illustriert.



























